Herstellung einer Zigarre
Auswahl der Einlage (tripa)
-
- Gladis beim Auswählen der Einlage
Als erstes wählt die Rollerin aus dem Material die Einlage aus. Bei diesem Schritt bestimmt die Rollerin den Geschmack der Zigarre. Bei der Zigarrenherstellung in der Fabrik ist das allerdings nicht die Aufgabe der Rollerin. Speziell dafür ausgebildete Mitarbeiter stellen jedes Jahr neu die Mischung zusammen, so dass die Zigarren einer Marke immer nahezu den gleichen Geschmack haben.
Die Einlage, span. tripa, besteht aus drei Komponenten: ligero, seco und volado. Tabaco ligero ist die kräftigste Blattsorte, die für die Zigarre verwendet wird. Die Blätter stammen aus dem obersten Drittel der Tabakpflanze. Daher sind sie von der Sonne verwöhnt und zeichnen sich durch einen kräftigen teils sogar scharfen Geschmack aus. Ligero gibt der Zigarre ihren typischen Charakter.
Tabaco seco hingegen verfügt über einen eher milden und doch aromatischen Geschmack. Die Blätter stammen aus dem mittleren Teil der Pflanze, so dass sie nicht so stark der Sonne ausgesetzt waren, aber doch genug, um ihnen Aroma zu verleihen. Seco rundet den Geschmack der Zigarre ab. Je nach Verhältnis von seco und ligero wird die Zigarre mild oder kräftig.
Die wichtigste Eigenschaft des tabaco volado ist sein gutes Brandverhalten. Diese Blätter, die am unteren Drittel der Pflanze geerntet werden, tragen nur wenig zum Geschmack der Zigarre bei. Sie sorgen aber dafür, dass die Zigarre gleichmäßig abbrennt.
-
- Zusammenlegen der Einlage
Beim Auswählen der Blätter werden auch, wie im Bild oben zu sehen ist, störende Blattadern oder Verwachsungen entfernt. So vermeidet die Rollerin, dass die Zigarre schief abbrennt oder gar ausgeht.
Zusammenlegen der Einlage
Nun werden die Blätter zusammengefaltet. Dabei muss die Rollerin mit äußerster Sorgfalt vorgehen. Die Blätter dürfen nicht verdreht werden. Vielmehr muss sie die Blätter so zusammenlegen, dass sich kleine Röhren bilden, die die gesamte Zigarre durchziehen. Durch diese Röhren zieht später der Genießer den Rauch. Sind diese Röhren zu eng oder verlaufen sie nicht durch den ganzen Körper der Zigarre, dann luftet sie schlecht oder lässt sich gar nicht rauchen. Sind die kleinen Kanäle hingegen zu groß, dann brennt die Zigarre zu schnell und entwickelt einen scharfen, beißenden Geschmack.
-
- Vorbereiten der Einlage
Die Einlage wird nun vorbereitet, um in das Umblatt, span. capote, eingewickelt zu werden. Dabei achtet die Rollerin noch einmal darauf, dass die Blätter in der richtigen Position liegen.
Herstellen des Wickels
Der Wickel ist der Zigarrenrohling. Die Einlage wird in das Umblatt eingerollt. Das ist der Schritt, bei dem sich entscheidet, ob die Zigarre später leicht und mit Genuss geraucht werden kann.
Wickelt die Rollerin die Einlage zu fest in das Umblatt, so luftet die Zigarre schlecht und das Rauchen wird zur Qual. Übt sie nicht genug Druck aus, so brennt die Zigarre zu schnell.
-
- Einrollen der Einlage in das Umblatt
Ebenso muss die Rollerin darauf achten, dass sie auf den Wickel gleichmäßigen Druck ausübt. Rollt sie auf der einen Seite stärker als auf der anderen, dann brennt die Zigarre später schief ab.
Nun ist der Wickel so gut wie fertig. Er wird jetzt noch mit der Chaveta, dem halbmondförmigen Messer der Rollerin, in Form gebracht und normalerweise im Pressstock ca. 10 Minuten gepresst. Allerdings ist Gladis eine der wenigen Rollerinnen weltweit, die in der Lage ist, gleichmäßige Zigarren auch ohne Presse herzustellen.
Zum Schluss wird der Wickel noch so zugeschnitten, dass er etwas länger ist als das gewünschte Format. Nun ist der Wickel bereit, in das Deckblatt, span. capa, eingerollt zu werden. Die Zigarre erhält ihr Gesicht.
-
- Der fertige Wickel
Einrollen in das Deckblatt
Der Tabak für die Deckblätter ist der König unter den Tabaken, obwohl er eigentlich nach nichts schmeckt. So werden z. B. bei der Versteigerung der Sumatra-Deckblätter, die als die edelsten der Welt gelten, in Bremen jedesmal horrende Preise erzielt.
Der Grund für diese hohen Preise liegt in der Anpflanzmethode. Während die anderen Tabake unter freiem Himmel wachsen, wird der Tabak für die Deckblätter unter langen Stoffbahnen großgezogen. Er wächst also im Schatten auf. Durch diese Anbaumethode wird erreicht, dass sehr feine, dünne Blätter entstehen, deren Adern kaum zu sehen sind.
Der Nachteil der Methode liegt allerdings darin, dass der Tabak so kaum Geschmack entwickelt. Das Deckblatt trägt zum Aroma der Zigarre nichts bei. Daher kann man am Deckblatt auch nicht erkennen, ob die Zigarre mild oder kräftig schmeckt. Es gibt Blätter in allen Farbschattierungen von grünlich-braun bis beinahe schwarz.
-
- Gladis glättet das Deckblatt
Ist es z. B. ein Sumatra- oder Conneticut-Blatt, so hat die Zigarre eine helle, cremige Farbe, die an Milchkaffee erinnert. Das andere Extrem stellen die Blätter aus Brasilien dar, die beinahe schwarz sind. Entscheidend für den Geschmack ist allerdings die Einlage.
Verarbeitung des Deckblattes
Die Rollerin wählt ein Blatt aus und teilt es in zwei Hälften. Je nach dem welche Hälfte sie für den Wickel benutzt, wird es links- oder rechtsherum um den Wickel gerollt. Nach dem Teilen des Blattes wird es noch mit zwei geschickten Schnitten mit der Chaveta halbmondförmig zugeschnitten.
Langsam und mit viel Sorgfalt wickelt die Rollerin die Zigarre in ihr Kleid ein. Mit der einen Hand rollt sie die Zigarre und die andere glättet immer wieder das Blatt. So erhält die Zigarre ihr endgütiges Aussehen.
-
- Das Deckblatt wird um die Zigarre gerollt
Dieser Vorgang bedarf großer Fingerfertigkeit. Spannt die Rollerin das Deckblatt nicht genug, so schmiegt es sich nicht perfekt an den Körper der Zigarre an. Die Zigarre bekommt Falten. Spannt sie das empfindliche Blatt zu stark, so reißt es. Dann ist das wertvolle Blatt verdorben.
Am Ende der Zigarrenherstellung werden aus den Resten des Deckblattes noch zwei kleinere Stücke ausgeschnitten. Zunächst ein kleines tropfenförmiges Stück, mit dem der Kopf der Zigarre geform wird. Danach mit Hilfe der Voquita ("Mündchen"), einer runden Stanze, das Stück, mit dem die Zigarre endgültig verschlossen wird. Wie im Bild unten zu sehen ist, wird dabei aus dem Deckblatt das runde Stück ausgestanzt, der Zigarrenkopf mit ein wenig Kleber aus Mais- oder Reisstärke eingestrichen und auf das ausgestanzte Stück gedrückt.
-
- Das Verschließen der Zigarre
Nun ist die Zigarre beinahe fertig. Lediglich die Länge stimmt noch nicht.
Zuschneiden der Zigarre
In der Fabrik wird zum Zuschneiden der Zigarren ein weiteres Werkzeug, die Guillotine, verwendet. Dieses Instrument kann millimetergenau eingestellt werden, so dass alle Zigarren die gleiche Länge erhalten. Gladis verwendet hierzu auch ihre Chaveta, was ungleich schwerer ist, da der Schnitt genau rechtwinklig ausgeführt werden muss.
Zum guter Letzt erhält die Zigarre noch ihren Ring. Das ist in der Fabrik nicht mehr die Aufgabe der Rollerin, sondern wird von darauf spezialisierten Arbeiterinnen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit erledigt. Jetzt ist die Zigarre fertig.
-
- Die fertige Zigarre
Allerdings sollte die Zigarre nicht gleich geraucht werden. Damit die empfindlichen Blätter bei der Zigarrenherstellung geschmeidig sind und nicht allzu schnell reißen, müssen sie recht feucht gehalten werden. Vor allem die Deckblätter werden dazu in feuchte Tücher eingewickelt. Aber auch das andere Material besprüht die Rollerin immer wieder mit Wasser.
Wer eine solche frisch gerollte Zigarre rauchen möchte, sollte über reichhaltige Erfahrung im Genuss eines Longfillers verfügen. Ansonsten geht die Zigarre immer wieder aus oder entwickelt einen beißenden Geschmack.
Daher werden die Zigarren nach dem Rollen noch mehrere Monate, teilweise sogar Jahre eingelagert. Sie verlieren Feuchtigkeit und die verschiedenen Aromen der verschiedenen Blätter der Einlage verbinden sich zu der Komposition, die der Aficionado, der passionierte Raucher, so sehr schätzt. Bei Zigarren verhält es sich wie beim Wein. Je länger sie richtig gelagert wird, desto besser wird sie.
Genießen Sie Ihre Zigarre und denken Sie dabei an die Rollerin oder den Roller, der dieses Kunstwerk geschaffen hat. Übrigens, eine Rollerin benötigt in der Fabrik für die Zigarrenherstellung (ohne Pressen) zwei bis drei Minuten bei einem mittleren Format. Erstaunlich, nicht wahr?